Stadt Plattling Stadt Plattling
Stadtmitte
Bahnhof
Sonnenuntergang
Rathaus
Bahnhof bei Nacht
Kanusport an der Isarwelle Plattling
Isarbrücken
Isarbrücken in der Dämmerung

Geschichte

Noch vor 50 Jahren war Plattling der bedeutendste Eisenbahnknotenpunkt Niederbayerns und zentraler Tagungsort. Während um die Jahrhundertwende etwa 2000 Beschäftigte von der Eisenbahn lebten, sind es heute noch knapp 100 Beschäftigte, die am Bahnhof Plattling arbeiten.

Die verlorengegangenen Arbeitsplätze mussten also auf andere Weise wieder wettgemacht werden. Eine große Chance bot sich der Stadt, als im Jahr 1971 das ehemalige Flugplatzgelände im Norden der Stadt von der Bundesvermögensverwaltung erworben werden konnte. 100 ha wertvolles Bauland bot sich für die Erschließung eines Industriegebietes geradezu an. Gemeinsam mit dem Landkreis Deggendorf und mit staatlicher Förderung wurde die Infrastruktur (Straße, Wasser, Strom, Schiene und Gas) geschaffen. Nach und nach gelang es, größere Firmen anzusiedeln und so bis heute über 2000 Arbeitsplätze zu schaffen. Der Erweiterungsbau der Papierfabrik war dabei im Jahre 2007 ein historisches Highlight. Die Pendlerstatistik beweist, dass das Arbeitsplatzangebot der gesamten Region zugute kommt.

Heute ist die Stadt Plattling mit dem gesamten Landkreis Deggendorf verbunden und um den Stadtkern gliedert sich eine vielseitige, bedeutende Industrie, die dank vorhandenen Baulandes immer noch Neuansiedlungen verspricht. Für den wohlhabenden Gäuboden ist Plattling ein Umschlagplatz von Erzeugnissen und Handelsgütern geworden.

Plattling ist eine Stadt, deren verkehrsmäßig günstige Lage schon von den Römern erkannt wurde. Der Verlauf ihrer mehr als tausendjährigen Geschichte wurde oftmals von den Wassern der Isar beeinflusst. Nach den Forschungen von Hans Neubauer reichen die ältesten Funde um Plattling zurück in die jüngere Steinzeit (3000 v. Chr.) und in die Urnenfeldzeit (1200 v. Chr.). In der römischen Kaiserzeit (15 v. Chr. bis 450 nach Chr.) hatten die Römer um die Mitte des ersten Jahrhunderts die Donaugrenze mit Kastellen gesichert: Regensburg, Straubing, Künzing und Passau. Entlang dieser Befestigungsanlage legten die Römer Kunststraßen zum Zwecke der Verbindung der Kastelle untereinander und mit dem Hinterlande an. Der Isarübergang bei Plattling war stark geschützt: Brückenkopfanlagen ließen sich beim Schwarzwöhrkeller und bei Höhenrain im Birgfeld und am Biberberg bis in unsere Zeit herein noch erkennen. Diese aus Regensburg kommende und nach Passau führende Straße hatte für das römische Reich als "Grenzstraße" eine ganz besondere Bedeutung. Noch heute folgt die Bundesstraße 8 mit wenigen Abweichungen dem Verlauf der ehemaligen Römerstraße. Zwischen dem damaligen Reisingerbach und der Isar hatte Alt-Plattling gelegen und wird im Nibelungenlied besungen. Der Dichter des Nibelungenliedes (um 1200) lässt im alten Pledelingen die Königin Kriemhilde übernachten und von ihrem Onkel, dem Passauer Bischof Pilgrim empfangen.

Die Strophe lautet in der Übersetzung von Simrock:
Dort zu Pledelingen schuf man ihnen Ruh;
Das Volk allenthalben ritt auf sie zu,
man gab was sie bedurften williglich und froh;
Sie nahmen es mit Ehren so tat man bald auch anderswo.

Im 14. Jahrhundert brach ein Hauptarm des Flusses westlich der Sankt Jakobskirche durch und zwang zur Aufgabe der alten Siedlung um die Kirche. Die ständigen Überschwemmungen und Verlagerungen des Isarbettes veranlassten Herzog Albrecht I. im Jahr 1379 zur Neugründung oder Verlegung des Marktes Plattling an seine heutige Stelle. Lassen wir hier noch kurz einen Auszug aus der betreffenden Urkunde des Bayerischen Hauptstaatsarchivs selbst sprechen:
 
"Wir, Albrecht von Gottes Gnaden, Pfalzgraf bei Rhein und Herzog von Bayern bekennen öffentlich mit diesem Brief, das wir angesehen haben die große Ungemach, die Verwüstung und mühselige Arbeit, welche die armen Leute in unserem alten Markte zu Plattling gehabt haben von den Wassern. Wir haben auf Rat unseres edlen, wohlgeborenen Landgrafen Johann zu Leuchtenberg, Grafen zu Hals und Pfleger unseres Landes Bayern, wie auf das Gutachten unseres Hofrates und Landesvertreter dem Markt gelegt auf daz veld, da er nun liegt und fürbaß bleiben soll."
 
Unweit von Sankt Jakob vereinte sich die alte Römerstraße, welche von Landshut, Freising und Augsburg kam und bei Niederpöring die Isar überquerte, mit der römischen Donausüdstraße Regensburg-Passau.
 
Am 4. Februar 868 gibt Ludwig der Deutsche Kloster Metten in "Platelinga" 34 Tagwerk Ackerland und Wiesen, die bisher Egino als Lehen besaß und somit wird Plattling erstmals urkundlich genannt. 1317 erhält Plattling das Marktrecht. Damit verbunden war ein besonders gesicherter Friede, auf dessen Verletzung die Strafe des Bannes stand. Das Marktrecht beinhaltete das Recht, regelmäßig öffentlichen Markt zu halten.
 
Wichtiger noch als das Marktrecht war für Plattling die "Niedere Gerichtsbarkeit". Infolge fehlender Finanzen erlangte Herzog Otto III. von den Ständen (Städte, Märkte, Hofmarken) die Bewilligung, dass er im ganzen Land eine außerordentliche, allgemeine Notsteuer erhob. Dafür erhielten die Stände die sogenannte Niedere Gerichtsbarkeit. Die Träger dieser Gerichtsbarkeit konnten alle Vergehen selbst aburteilen mit Ausnahme von vier Verbrechen: Diebstahl in größeren Beträgen, Totschlag, Notzucht und Straßenraub. Durch diese Rechte wurde dem Markt Plattling ein ziemlich weitgehendes Maß Unabhängigkeit vom Pfleggericht Natternberg gewährt.

Ehrenvoll für den Markt war die Verleihung des Wappens im Jahre 1506. Herzog Albrecht IV. von Bayern belohnte die Plattlinger Bürger für deren Treue, da sie seinem Gegner, dem Pfälzer Rupprecht, die Unterwerfung verweigerten. Die Einzelheiten des Wappens haben einen tieferen Sinn. Über dem Schild thront der Helm, das Zeichen der Ritterlichkeit und Vornehmheit. Der Schild ist raumgeteilt; die weißblaue Raute des oberen Teils weist auf die Zugehörigkeit zum Bayernland hin; die drei Berge haben wohl Bezug auf die nahen Berge des bayerischen Waldes; die drei Lilien versinnbildlichen die reine treue Gesinnung.
 
Am 9. August 1888 konnte in der Magistratssitzung zu Protokoll gegeben werden: "Die gelangte hohe Regierungsentscheidung vom 2. August, inhaltlich welcher sich im Namen Seiner Majestät des Königs Seine Königliche Hoheit Prinz Luitpold, des Königsreichs Verweser, laut allerhöchster Entschließung d. d. München den 28 Juli 1888 bewogen befunden haben allerhöchst zu genehmigen, dass Plattling fortan die Bezeichnung Stadt führe, wurde in der heutigen Sitzung bekannt gegeben. Der Magistrat beschließt der allerhöchsten Stelle den Dank für die große Huld und die Gnade durch die Deputation Mitglieder des Magistrats und des Gemeindekollegiums dazubringen und vorher an Seine Exzellenz den königlichen Staatsminister Freiherr von Freilitsch um Mitteilung des Tages und der Stunde, wann die Audienz bewilligt werden soll, Anfrage zu stellen. Über die aus Anlass dieses hocherfreulichen Ereignisses zu veranstaltende Festlichkeit soll erst nach Ende der Erntezeit Beschluss gefasst werden."
 
1745, in der Zeit als Bayern vorübergehend unter der Herrschaft Österreichs stand, erschien die österreichische Kaiserin Maria Theresia in Plattling, um sich vom Volk huldigen zu lassen. Sie erkrankte aber und lag 14 Tage lang im Gasthaus zur Post an Fieber darnieder; die Bürgerschaft tat alles zur Pflege der hohen Frau und diese bedankte sich mit einem ansehnlichen Geldgeschenk. Die Haushistorie weiß noch zu erzählen, dass im "Gasthaus zur Post" auch Napoleon der I. sich eine Nacht wohlig in den damals gewiss nicht weichen Betten geräkelt haben soll.
 
Unter den großen Söhnen Plattlings kann in diesem Rahmen nur an Dr. Eduard Stemplinger gedacht werden, der hier am 6. Januar 1870 geboren wurde. Tausende von Zeitungsbeiträgen und 60 Bücher stammen aus seiner Feder. Als Oberstudiendirektor, Schriftsteller und volkstümlicher Dichter stand er immer im pulsierenden Leben. Wer kennt nicht sein heiteres Singspiel "Die Tegernseer im Himmel", das auch verfilmt wurde. An diesen großen Sohn der Stadt erinnern heute eine Straße in der Nähe des Wasserturmes und eine im Juli 1992 enthüllte Gedenktafel am Geburtshaus, Preysingplatz 4.

Die Stadt hat den wichtigsten Eisenbahnknotenpunkt Niederbayerns. Als am 20. September 1860 die Bahnstrecke Regensburg-Straubing-Passau eröffnet wurde, die im wesentlichen dem Lauf der alten Römerstraße folgte, kam Plattling erstmals in den Besitz der Eisenbahn. Das Bahnhofsgebäude stand damals nahe der Deggendorfer Straße beim Volksfestplatz. Am 1. März 1866 wurde die "Krautbahn" nach Deggendorf eröffnet und schon wieder 1877 stillgelegt. Die Bahnstrecke Plattling-Landau (Isar)-Mühldorf konnte am 15. Oktober 1877 ihrer Bestimmung übergeben werden. Die Inbetriebnahme der Bahnstrecke Plattling-Deggendorf-Bayerisch Eisenstein war am 16. September 1877 und schließlich erfolgte die Weiterführung der Eisenbahnstrecke Plattling-Landau (Isar)-Landshut mit der Eröffnung am 15. Mai 1880. Im Jahr 1870 verlegte man den Bahnhof an der Deggendorfer Straße auf das heutige Bahngelände (Ledererfeld). Das dortige Bahnhofsgebäude wurde zum Ende des II. Weltkrieges innerhalb weniger Minuten vollkommen zerstört. Am 6. April 1954 wurde der wiederaufgebaute, jetzige Bahnhof dem Verkehr übergeben.

Im Zeitraum von 2003 bis 2008 wurde das gesamte Bahnhofsumfeld, des nach wie vor wichtigsten und größten Bahnhofs der Region, neu gestaltet. Dadurch wurde der Bahnhof als Eingangs-Tor zur Innenstadt deutlich attraktiver und der enorme Parkplatzbedarf rund um den Bahnhof befriedigt.

Stolz sind die Plattlinger auch darauf, dass Plattling nicht nur Haltepunkt für den ICE ist, sondern dass ein ICE der neuesten Generation im Sommer 2005 auf den Namen "Plattling" getauft wurde. In ganz Deutschland und Österreich wird der Name unserer Stadt nachhaltig dargestellt.

Seit einigen Jahren hat sich nunmehr ein Wandel Plattlings von der Eisenbahnerstadt zur Industriestadt vollzogen. Charakteristisch dabei ist die gesunde, gemischte Struktur. Nicht ein Großbetrieb, sondern eine Vielzahl mittlerer Betriebe der verschiedensten Branchen (Papier, Metall, Glas usw.) bestimmen heute das Bild. Dies bringt den Vorteil, dass in Krisenzeiten nicht gleichzeitig alle gefährdet sind.

Nicht nur die Industrieansiedlung ist von den Kommunalpolitikern vorangetrieben worden. Flankierend wurden attraktive Wohngebiete ausgewiesen, um den Arbeitern auch das Wohnen an ihrem Arbeitsplatz zu ermöglichen. Viele ansprechende Freizeitstätten wie zum Beispiel Freibad, Sportstadion, Stadtbücherei und Bürgerhaus, sowie Naherholungsflächen wurden geschaffen um dem Bürger den Aufenthalt in seiner Heimatstadt so attraktiv wie möglich zu gestalten.
 
Nunmehr geht die Stadt an die Verbesserung der Verkehrs- und Wohnverhältnisse in der Innenstadt. Mit Städtebaufördermitteln wird versucht, die Qualität der Wohnungen zu verbessern, sowie das Nebeneinander von Wohnen und Einkaufen problemlos zu gestalten. Der Umbau des Stadtplatzes war der erste Schritt und bereits ein voller Erfolg.
 
Plattling wird auch in Zukunft seinen bisherigen Charakter bewahren: eine glückliche Synthese aus Altem, Tradition und Vergangenheit, Bauerntum mit Industrie und Wirtschaft.